Prof. Reinhard Roos

Nachruf von Dr. Armin Gehrmann, Dr. Andrea Zimmermann und Eva Hesse für den Vorstand des Harl.e.kin e.V.

Am 18.03.2025 verstarb Prof. Reinhard Roos nach jahrelanger Krankheit, die er mit bewundernswerter Gelassenheit und Selbstverständlichkeit ertrug, im Alter von 80 Jahren im Kreise seiner Familie. Er war Kinderarzt mit Leib und Seele und setzte sich wissenschaftlich wie auch menschlich gerade für die Kleinsten der Kleinen unermüdlich ein.

Geboren in Jena, aufgewachsen im Schwäbischen, Student und Doktorand in Tübingen, ging er zunächst als Medizinalassistent und später als promovierter Kinderarzt an das Dr. von Haunersche Kinderspital nach München. Sein medizinisches Interesse galt im Besonderen der Infektiologie und Neonatologie, im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU leitete er die Abteilung für pädiatrische Intensivmedizin, später die Neonatologie der Universitätsklinik in Großhadern. Die Neonatologie war sein wahres Steckenpferd und nicht nur als Oberhaupt, sondern immer mittendrin im Geschehen. 1994 wechselte er ein letztes Mal seinen Arbeitsplatz und wurde Chefarzt der Kinderabteilung des städtischen Kinderkrankenhauses in München-Harlaching. Sein medizinischer Schwerpunkt blieb die Neonatologie und Infektiologie, die bestehende Neonatologie der Kinderklinik baute Reinhard Roos um und vor allem aus, er intensivierte die Zusammenarbeit mit den Geburtshelfern und Gynäkologen und schuf so ein Perinatalzentrum Level 1 im Münchner Süden.

Reinhard Roos war jedoch nicht nur versierter Neonatologe und Infektiologe, der unermüdlich publizierte, sondern ein medizinisch und kinderärztlich sehr breit aufgestellter Mediziner und vor allem – Arzt. Er war klar in seinen Vorstellungen, nicht nur wie eine Kinderklinik zu leiten war, sondern auch wie Menschen, Mitarbeitende sowie Eltern und Kindern, zu führen waren. Reinhard Roos konnte zuhören, andere Meinungen und Entscheidungen akzeptieren, wenn sie begründet waren. Er trat nie überheblich oder oberlehrerhaft auf, ließ auch den Jüngsten und Unerfahrensten unter seinen Mitarbeitern zu Wort kommen und ausreden. Ob Famulus, AIPler, junger Assistenzarzt, Facharzt oder Oberarzt, jedem zeigte er sich respektvoll und ermunterte auch jeden, sich zu Wort zu melden, fortzubilden, Vorträge zu halten, auf Kongresse zu gehen und natürlich auch wissenschaftlich zu arbeiten.

„Per aspera ad astra“ war nur einer seiner Lieblingsaussagen, ebenso wie „Nur Mut“ und „Frohes Schaffen“. Leere Worte und „Gesabbel“ waren ihm ein Greuel – Ordnung, Struktur, Klarheit und Einsatz wichtig. Mit Engagement, Ehrgeiz und Fleiß ging Reinhard Roos voran und war allen ein Vorbild: morgens der Erste und abends oft der Letzte, der die Klinik verließ. Sein Arbeitstag endete damit jedoch nicht, er war jederzeit erreichbar, wenn es entsprechende Fragen und Nöte der Dienst- und Oberärztegab. Wenn nachts eine Frühgeburt drohte, ließ er es sich nicht nehmen, in dringenden Fällen, auch an der neonatalen Versorgungseinheit zu stehen und „mitzumachen“. Er liebte es „handwerklich“ zu arbeiten und Nabelvenen- oder Nabelarterienkatheter zu legen. Sein medizinisches Wissen war groß, sehr groß, noch größer empfanden wir Mitarbeiter jedoch seine Art Arzt, Kinderarzt zu sein. Reinhard Roos verlangte viel von sich selbst, auch von seinen Mitarbeitern, er hatte einen sehr klaren Verstand, eine schnelle Auffassungsgabe, und blieb dabei aber immer ein verständnisvoller, zuhörender und mitfühlender Mensch.

Sein Interesse an den Früh- und Risikoneugeborenen endete nicht an der Kliniktür. Die Versorgungslücke zwischen der stationären und ambulanten Versorgung führte Reinhard Roos dazu, eine strukturierte Nachsorge für die ehemaligen Frühgeborenen und die Eltern, für das ganze familiäre System also, zu etablieren. Zusammen mit Frau Dr. Sabine Höck, Mitarbeitern der Harlachinger Kinderklinik sowie weiteren Unterstützern gründete er in Harlaching den gemeinnützigen Verein Harl.e.kin, dessen Ziel es war und ist, die Fallhöhe der intensiven stationären zur ambulanten allein verantwortlichen Versorgung zuhause zu reduzieren. Das Konzept der strukturierten Harl.e.kin Nachsorge in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern wurde zur Blaupause der heute bayernweit bestehenden Frühgeborenen-Nachsorge an insgesamt 27 Klinikstandorten mit Neonatologie. Für diese Aktivität und ständiges Werben erhielt Reinhard Roos 2019 die Ehrenmedaille „München leuchtet – den Freundinnen und Freunden der Landeshauptstadt München“ von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Dieter Reiter ist seit 2015 Schirmherr des Harl.e.kin e.V.

Wir nehmen in tiefer Trauer und großer Dankbarkeit Abschied von dem immer bescheiden auftretendem und lebendem Prof. Reinhard Roos, der uns allen ein großes Vorbild war, als Arzt wie als Mensch.

Statt Blumen bat Reinhard Roos um eine Spende für den Harl.e.kin e.V. zur Förderung der Harl.e.kin-Frühchen- Nachsorge an den Münchner Kinderkliniken,
IBAN: DE70 7015 0000 0000 4776 04, BIC SSKMDEMMXXX.

Der Nachruf zum Download

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Traueranzeige für Prof. Reinhard Ross