Wochen, die sich wie Jahre anfühlen. Eltern, die nachts wachen und auf Monitore schauen. Kleine Körper, die kämpfen – und ein Team, das jeden Tag mit ihnen kämpft. Ein Frühgeborenes zur Welt zu bringen bedeutet oft, in eine Welt aus Schläuchen, Alarmtönen und bangen Hoffnungen einzutauchen. Die Klinik wird für Wochen oder Monate zum zweiten Zuhause – mit all den Höhen, wenn das Kind zunimmt und gedeiht, und all den Tiefen, wenn es Rückschläge gibt. Und dann kommt der Moment des Abschieds: die Entlassung nach Hause. Ein Moment der Erleichterung – und oft auch der großen Unsicherheit. Genau hier setzt das Harl.e.kin-Nachsorgemodell an.
Ein besonderes Zeichen der Anerkennung für jahrzehntelange Fürsorge: Bayerns Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales Ulrike Scharf überreichte am Mittwoch, den 1. Juli, an der München Klinik Harlaching das erste Harl.e.kin-Signum am Standort München Harlaching. Die Auszeichnung würdigt das außergewöhnliche Engagement des Teams in der Nachsorge von früh- und risikogeborenen Kindern und ihren Familien – und schlägt damit den Bogen zurück zu den Ursprüngen eines bayernweit einzigartigen Versorgungsmodells.
Das Harl.e.kin-Nachsorgemodell wurde 2003 genau an diesem Ort ins Leben gerufen: in der damaligen Kinderklinik Harlaching. Was damals als visionäre Initiative begann, hat sich seitdem zu einem tragenden Pfeiler der Frühgeborenen-Versorgung in ganz Bayern entwickelt. Heute ist das Modell an 28 Klinikstandorten mit Neonatologie im Freistaat verankert – stets in enger Kooperation von Kinderklinik, Frühförderstelle und gemeinnützigem Trägerverein, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
Der Übergang von der Klinik nach Hause ist für Familien mit früh- oder risikogeborenen Kindern eine besonders vulnerable Phase. Hier setzt die Harl.e.kin-Nachsorge an: mit individueller, niedrigschwelliger und kostenfreier Beratung und Begleitung. Geschulte Nachsorge-Fachkräfte begleiten die Familien in den ersten Wochen und Monaten zu Hause, koordinieren Hilfsangebote und geben Sicherheit in einem oft belastenden Lebensabschnitt.
Das Harl.e.kin-Signum ist mehr als eine Auszeichnung – es ist ein sichtbares Bekenntnis zu Qualität und menschlicher Zuwendung. Mit dem Signum werden sowohl die beteiligten Kooperationspartner vor Ort als auch das Team des jeweiligen Standorts gewürdigt. Es macht die wertvolle, oft im Verborgenen geleistete Arbeit der Nachsorge-Fachkräfte öffentlich sichtbar und setzt einen gemeinsamen Standard für alle Harl.e.kin-Standorte in Bayern.
Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales (Foto 1)
„Die Verleihung des Harl.e.kin‑Signums ist ein starkes Bekenntnis zu einer nachhaltigen Nachsorge für früh‑ und risikogeborene Kinder in Bayern. Es ist wichtig, dass aus dem kleinen Pilotprojekt im Klinikum Harlaching ein flächendeckendes Erfolgsmodell geworden ist – mehr als 17.000 Familien konnten so schon unterstützt und begleitet werden. Niedrigschwellige, frühzeitige Hilfe ist ein wirksamer Schutz für die Eltern‑Kind‑Interaktion – gerade in Zeiten wachsender Aufgaben. Mit dem Harl.e.kin‑Signum würdigen wir die Pionierarbeit am Standort Harlaching. Der nachsorgende Ansatz soll auch im ganzen Freistaat gelebt werden. So bleibt Bayern gemeinsam stark.“
Dr. Tim Guderjahn, Kaufmännischer Geschäftsführer der München Klinik (Foto 2)
„Die Auszeichnung mit dem Harl.e.kin-Signum ist für uns eine große Ehre – und zugleich eine Bestätigung unserer Überzeugung: Exzellente Medizin endet nicht an der Krankenhaustür. Gerade Familien mit Frühgeborenen tragen nach Wochen oder Monaten auf der Intensivstation eine besondere Last nach Hause. Dass sie dabei nicht allein gelassen werden, ist für uns als München Klinik eine Selbstverständlichkeit und ein Herzensanliegen zugleich."
Prof. Marcus Krüger, Chefarzt Neonatologie der München Klinik (Foto 3)
„Was wir auf der Neonatologie leisten, ist hochspezialisierte Medizin auf höchstem Niveau. Aber ich erlebe täglich, dass die Versorgung eines Frühgeborenen weit über den Klinikaufenthalt hinausgeht. Eltern müssen lernen, mit einem sehr kleinen, oft noch sehr vulnerablen Kind umzugehen – zuhause, ohne das Sicherheitsnetz des Klinikteams. Die Harl.e.kin-Nachsorge schließt genau diese Lücke. Sie ist kein Zusatzangebot – sie ist ein unverzichtbarer Teil einer guten Frühgeborenenversorgung."
Dr. Bettina Achhammer, Zentrale Koordination Harlekin-Nachsorge in Bayern (Foto 4)
„Mit dem Harl.e.kin-Signum setzen wir ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für die großartige Arbeit am Standort München-Harlaching. Unser Dank gilt allen Kooperationspartnern und dem gesamten Team, die Tag für Tag leisten, was oft im Verborgenen bleibt: Ihre Arbeit ist leise, selten im Rampenlicht – und hinterlässt doch tiefe Spuren im Leben von Familien. Sie geben Halt, Orientierung und Mut in einer besonders herausfordernden Zeit. Genau dafür steht das Harl.e.kin-Signum: für Engagement, Haltung und den unschätzbaren Wert dieser Arbeit."
Die München Klinik Harlaching ist zertifiziertes Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level 1) und damit eine der wichtigsten Anlaufstellen für Früh- und Risikogeburten in der Region. 55 kleinste Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1250 Gramm wurden in 2025 in der München Klinik geboren und neonatologisch versorgt. Mit 27 kleinsten Frühgeborenen in Schwabing und 28 Frühgeborenen unter 1250 Gramm in Harlaching sind die Kinder an beiden neonatologischen Standorten der MüK nahezu gleich verteilt. Das Perinatalzentrum Harlaching ist als einziges in München nach „Perizert“ zertifiziert.
Die MüK Schwabing ist als einzige Klinik in München als „babyfreundliche Geburtsklinik“ zertifiziert. Durch die bereits in 2024 in Harlaching etablierte Frauenmilchbank kann die MüK allen extrem kleinen Frühgeborenen an beiden Standorten eine Frauenmilchversorgung anbieten, bis die Mutter genug eigene Milch hat.
Die kleine Viktoria
Wie außergewöhnlich die Möglichkeiten der Harlachinger Neonatologie sind, zeigte der Fall der kleinen Viktoria, die dank modernster Intensivmedizin und des engagierten Teams gesund nach Hause entlassen werden. Das Harl.e.kin-Nachsorgemodell war dabei Teil ihres nahtlosen Versorgungspfades, der nicht mit der Entlassung endete.
Download Viktoria
Alle Bilder: StMAS/Schäffler
Foto 3: Prof. Marcus Krüger (Mitte), Chefarzt der Neonatologie der München Klinik Harlaching und Schwabing
Foto 4: Dr. Bettina Achhammer, Zentrale Koordination Harlekin-Nachsorge Bayern, Arbeitsstelle Frühförderung Bayern
Freuen sich über das erste Harlekin-Signum: die Kooperationspartner Frühförderstelle, den Harl.e.kin e.V., das Harl.e.kin Nachsorge Team und die Klinik für Neonatologie in der München Klinik Harlaching mit Sozialministerin Ulrike Scharf
Sozialministerin Ulrike Scharf und die beiden Chefärzte für Neonatologie Prof. Marcus Krüger (li.) und für Frauen Prof. Christoph Scholz (re.) beim Klinikrundgang durch die neuen Räumlichkeiten in der integrierten Harlachinger Geburtshilfe mit Neonatologie.
Das Signum wird direkt am Eingang zur Station sichtbar angebracht von Staatsministerin Ulrike Scharf und vom Chefarzt der Neonatologie Prof. Marcus Krüger.